Ohne Wärmewende keine Klimaneutralität

Die Planung müsste konkretisiert und das Tempo deutlich erhöht werden

Nach Angabe der Stadt verursacht die Erzeugung der in Gebäuden und Industrie benötigten Wärme 40% der lokalen CO2-Emissionen. Die Fernwärme kommt aktuell noch zu 50% aus dem kohleverbrennenden GKM. Die dezentralen Heizungen der nicht an die Fernwärme angeschlossenen Wohnungen (bisher ca. 40%) werden zum großen Teil mit Erdgas betrieben, und auch die Industrie verfeuert zur Erzeugung von Prozesswärme größere Mengen an Erdgas. Die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung ist deshalb eine zentrale Bedingung für die angestrebte Klimaneutralität der Stadt Mannheim, und die Wärmewende wird vor diesem Hintergrund zunehmend zum Thema der Kommunalpolitik.

Farbig dargestellt sind die Emissionen, die durch die Wärmeerzeugung verursacht werden.
*) aktuellere Daten liegen leider momentan (Dezember 2025) nicht vor.

Von einer funktionierenden und bezahlbaren Versorgung mit Heizwärme sind alle Menschen in der Stadt abhängig, und notwendige Änderungen an dieser Versorgung tangieren die Interessen vieler Hausbesitzer*innen und Mieter*innen. Wärme muss lokal erzeugt werden, weil sie (anders als Strom) nicht über größere Entfernungen transportiert werden kann.

Was plant die Stadt Mannheim?

Entsprechend einer Forderung des Landesklimaschutzgesetzes von Baden-Württemberg hat die Stadt vor zwei Jahren eine kommunale Wärmeplanung aufgestellt. Sie enthält als wesentliche Bestandteile:

  • Eine Bestandsaufnahme zum Energieverbrauch für Gebäudewärme,
  • Projektionen des voraussichtlichen Energiebedarfs für 2030 und 2040. Bis 2040 wird demnach eine Halbierung (!) des Bedarfs durch energetische Sanierung erwartet.
  • Eine aktuelle Planung für die Erschließung zusätzlicher Stadtteile mit Fernwärme und
  • Potenziale für Solarthermie und Erdwärme und die angenommene Eignung für lokale Nahwärmenetze.

jeweils aufgeschlüsselt auf 57 geografisch abgegrenzte „Eignungsgebiete“ in der Stadt. Die Planung ist bislang wenig konkret. Wegen des jetzt schon hohen Anteils an Gebäuden, die mit Fernwärme beheizt werden, ist die Dekarbonisierung der Fernwärmeerzeugung der wichtigste Baustein der Wärmewende. Dieses Thema wird in der Wärmeplanung weitgehend ausgeklammert und von der Stadt einfach an die MVV delegiert.

Die Umsetzung geht zu langsam

Die Stadt bemüht sich auch durchaus, ihren Beitrag zur Umsetzung des Plans zu leisten. Gemessen an den Zielen ist das Tempo allerdings zu gering. Die bislang ergriffenen Maßnahmen beinhalten u.a.:

  • Beratungsangebote und ergänzende Förderprogramme der Klimaschutzagentur zu Heizungstausch und energetischer Sanierung
  • Quartierssanierungen in einigen Stadtteilen, die anfänglich auch von der KfW gefördert wurden
  • Gründung einer „Wärmewendeakademie“ für Handwerker*innen, in der zusätzliche Qualifikationen zu Wärmepumpen u.ä. vermittelt werden sollen

Bei den Förderprogrammen ist zu befürchten, dass sie aufgrund der Kürzung des Klimafonds von 5,5 auf 3 Millionen Euro p.a. wenn überhaupt, nur noch in sehr reduzierter Form weitergeführt werden.

Größere Aufregung hat die MVV Ende 2024 verursacht, als sie ankündigte, dass bis 2035 das Gasnetz für die Belieferung von Klein- und Privatkunden stillgelegt werden soll, was den Zeitdruck für den Austausch der vorhandenen Gasheizungen erhöhen würde. Inzwischen ist die MVV selbst wieder zurückgerudert. Die rechtlichen Voraussetzungen für ein Gas-Aus gebe es noch gar nicht, und es sei so auch nie gemeint gewesen.

Laut Klimaschutzaktionsplan müssten pro Jahr eigentlich 4% der Wohnungen energetisch saniert werden. Um die in der kommunalen Wärmeplanung angegebenen Sanierungspotenziale zu heben, müsste die Quote sogar noch höher sein. Real liegt diese Quote bislang nur bei einem Prozent. Über den Fortschritt beim Austausch fossiler Heizungen liegen uns keine Zahlen vor. Wir befürchten, dass der Rückstand da ähnlich groß ist.

Den größten Wärmeverbrauch in Mannheim hat die Industrie, wobei außer der Gebäudeheizung auch die Erzeugung von Prozesswärme eine Rolle spielt. Einige Unternehmen haben Absichtserklärungen abgegeben, dass sie Ihre Emissionen reduzieren wollen. Die Firma Essity (mit 200.000 Tonnen pro Jahr größter industrieller CO2-Emittent in Mannheim) will ihre Emissionen weltweit bis 2030 um 35% verringern. Mehrere mittelständische Mannheimer Unternehmen haben mit Beratung der Klimaschutzagentur ein „Energieeffizienz und Klimaschutznetzwerk“ gebildet, und wollen mit Bundesförderung ihre Emissionen um 1200 Tonnen pro Jahr reduzieren, was gemessen an den Gesamtemissionen der Industrie allerdings ein Tropfen auf einen heißen Stein wäre. Über die praktischen Fortschritte dieser Bemühungen ist bislang nicht viel bekannt.

Wenn die Wärmewende erfolgreich sein soll, müssen die energetischen Sanierungen und der Austausch fossiler Heizungen beschleunigt werden, und es muss eine transparente und realistische Planung für eine wirkliche Dekarbonisierung der Fernwärmeerzeugung und auch der industriellen Wärmeerzeugung geben.

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