Klassenziel verfehlt

Mannheim wird bis 2030 nicht klimaneutral – schuld sind andere

Seit Anfang Juni ist es offiziell: Mannheim wird das bisher verfolgte Ziel, bis 2030  „klimaneutral“ zu werden, nicht erreichen.

Diese nicht wirklich überraschende Neuigkeit wurde durch zwei Vorlagen für die AUT-Sitzung vom 09.06.2026 öffentlich: Der Treibhausgas-Bilanz der Stadt von 2023 (!) und einer „Evaluation“ des Klimaschutzaktionsplans.

Mannheimer CO2-Emissionen sinken langsamer als die bundesweiten Emissionen

Laut der THG-Bilanz sind die Mannheimer Emissionen von 2022 auf 2023 von 2,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten um 7,5% auf ca. 2,6 Mio. Tonnen zurückgegangen. Zum großen Teil soll das auf den gesunkenen Emissionsfaktor des verbrauchten Stroms aufgrund des geringeren Kohle-Anteil im bundesweiten Strommix zurückzuführen sein. Im Sektor Mobilität waren die Emissionen dagegen aufgrund vermehrter PKW-Nutzung angestiegen. In den Erläuterungen dazu wird bereits mit einem Satz darauf hingewiesen, dass dieser Trend bis 2030 nicht zur Klimaneutralität führen wird.

Übrigens: Die bundesweiten Emissionen waren im gleichen Zeitraum um 10% gesunken. D.h. der selbsternannte Vorreiter im Klimaschutz ist real eher Nachzügler.

Das Klimaneutralitätsziel für 2030 soll um 630.000 Tonnen CO2 verfehlt werden

Die KSAP-Evaluation von Frau Pretzell enthält neben dem üblichen Selbstlob der Stadt für die Klimaschutzagentur, die Wärmewendeakademie, das „local Green Deal Team“ etc. und für die Auszeichnungen von der EU und dem „Carbon Disclosure Project“ in etwas ausführlicherer Form das Eingeständnis, dass die Emissionen zu langsam sinken, um das Ziel der „Klimaneutralität“ (definiert als Verminderung der Emissionen um 80% gegenüber dem Stand von 1990) bis 2030 zu erreichen.

630.000 t des angenommenen CO2-Minderungspotenzials können demnach bis 2030 nicht realisiert werden. Und eine qualitative Bewertung des Umsetzungsstands der 321 Maßnahmen des KSAP, die in Climate View hinterlegt sind, soll ergeben haben, dass weniger als die Hälfte im grünen Bereich sind, d.h. planmäßig umgesetzt werden. In Anbetracht des in den meisten Fällen eher geringen Konkretisierungsgrads der Maßnahmen und den bisher wenig fundierten Abschätzungen der potenziellen Emissionsminderungen bleibt bei beiden Zahlen allerdings ziemlich unklar, wie sie genau ermittelt wurden.

Die Stadt sieht die Ursachen außerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs

Als Ursachen werden hauptsächlich Gründe genannt, die die Stadt außerhalb ihres Einflussbereichs sieht, wie Finanzdefizit, allgemein eingeschränkter Einfluss der Stadtverwaltung und externe Rahmenbedingungen. Die werden auch entsprechend ausführlich behandelt. Z. B. sollen 53% der Emissionen im sogenannten „Einflussbereich 4“ liegen, in dem sich die Einflussmöglichkeiten der Stadt auf „Beraten und Motivieren“ beschränkt. In der Industrie wird die Dekarbonisierung durch den europäischen Emissionshandel (ETS) und nicht durch kommunale Regelungen gesteuert. Kritik wird u.a. an der EU geübt, weil sie zwar Labels an Städte vergibt, die bis 2030 klimaneutral werden wollen (100 Climate Neutral Cities), aber ohne die materiell zu unterstützen, und auch am Bund, u.a. wegen dessen Bremsung der Wärmewende durch das „Gebäudemodernisierungsgesetz“, das jetzt weiterhin den Einbau von neuen Öl- und Gasheizungen erlaubt.

Eigene Fehler werden zwar genannt, aber nicht näher analysiert

Fehler, die im eigenen Verantwortungsbereich der Stadt liegen, werden demgegenüber zwar genannt, aber mehr als stichwortartige Aufzählung:  Z.B. Unrealistische Annahmen bei den Sanierungsquoten, unzureichend verankerte Zuständigkeiten, Anpassungsbedarf bei Maßnahmendefinitionen, Zielkonflikte und (besonders bemerkenswert) „kein politischer Mehrheitswille“. Bei letzterem bleibt allerdings unklar, ob damit der Mehrheitswille im Gemeinderat oder der vermutete Mehrheitswille in der Bevölkerung gemeint ist.

Auch Konsequenzen eher unkonkret

Entsprechend unkonkret bleiben auch die Konsequenzen, die die Stadt für die Fortsetzung ihrer Klimapolitik ziehen will. Vorrangig sollen noch Maßnahmen umgesetzt werden, die schon begonnen wurden, die eine „hohe Effizienz“ (d.h. viel CO2-Einsparung pro Euro) versprechen, die eine „starke Hebelwirkung“ für die Mobilisierung von Fremdmitteln für Investitionen haben, die helfen, Energie und damit Geld einzusparen, und die der Klimafolgenanpassung dienen. Unklar bleibt, ob das im Umkehrschluss bedeutet, dass alle Maßnahmen, die diese Kriterien nicht erfüllen, aus der Planung gestrichen werden.

Kostprobe aus der Problemanalyse der „Evaluation“ (O-Ton):
Ein Teil der Maßnahmen muss konkretisiert, aktualisiert oder auch verworfen werden. Spezifische Herausforderungen und komplexe Problemlagen sind bereits identifiziert. Allgemeine übergreifende Hindernisse erschweren und verlangsamen die Realisierung des Konzepts auf konkreter praktischer Ebene. Die Ursachen und folglich auch die Ansatzpunkte für eine verbesserte Umsetzung sind vielfältig und verhältnismäßig ausgeglichen. Sie lassen sich nicht auf einen spezifischen Faktor zurückführen.

Inhaltlich soll der Fokus auf dem Energiesektor (erneuerbare Energie und Wärmewende), dem Ausbau des ÖPNV, der Stadtentwicklung und der Unterstützung der Klimaschutzagentur liegen. Beim Thema Stadtentwicklung wäre interessant, ob man jetzt damit rechnen kann, dass die in dem Zusammenhang ausdrücklich genannten Planungsdokumente „Masterplan Mobilität 2035“ und „Modell räumliche Ordnung“ zeitnah und vollständig umgesetzt werden.

Die Umsetzung des KSAP soll jetzt „Querschnittsaufgabe aller Dienststellen“ sein, was so klingt, als ob sie das bisher nicht war. Hauptfinanzierungsquelle für Klimaschutzmaßnahmen soll der völlig unzureichende Klimafonds bleiben.

Am Klimaneutralitätsziel 2030 wird trotz Unerreichbarkeit festgehalten

Am Klimaneutralitätsziel 2030 soll trotz seiner offiziell festgestellten Unerreichbarkeit festgehalten werden, weil Städte mit ambitioniertem Klimaziel angeblich im Schnitt mehr erreichen als solche ohne solche Ziele. Ob ein unerreichbares Ziel noch von irgendwem ernst genommen wird, sei mal dahingestellt. Dieses „Ziel“ dürfte allerdings auch weniger als interner Ansporn gedacht sein, sondern mehr als Aushängeschild nach außen, u. a. um das EU-Label nicht zu gefährden.

Die Bestandsaufnahme an sich ist zu begrüßen

Positiv ist, dass die Bestandsaufnahme überhaupt gemacht wurde. Auch dass damit erstmals eingeräumt wird, dass das Klimaneutralitätsziels für 2030 nicht mehr erreichbar ist, ist sicher ehrenwert. Der sonstige Erkenntniswert ist begrenzt.  Das Scheitern des 2030er-Ziels liegt nicht nur daran, dass die kommunalen Einflussmöglichen und die finanziellen Mittel (von Anfang an absehbar) begrenzt waren und sind.

Auf Defizite des KSAP und seiner Umsetzung haben Klimagruppen schon vor drei Jahren hingewiesen

Die Mannheimer Klimagerechtigkeitsgruppen haben schon vor knapp drei Jahren in einem offenen Brief an die Stadt auf Defizite des KSAP und seiner Umsetzung hingewiesen. Ein paar der damals schon genannten Kritikpunkte tauchen jetzt auch in der Evaluation auf, wie etwa unzureichende Maßnahmedefinitionen und mangelnde Klärung von Zuständigkeiten. Auch andere Schwachpunkte wurden damals schon benannt, wie das Fehlen von belastbaren Abschätzungen der Emissionsminderungspotenziale und die mangelhafte Transparenz bei der Fortschrittsverfolgung.

Es scheint, dass beim KSAP, der ja inhaltlich durchaus unterstützenswert ist, von Anfang an der Verkauf nach außen wichtiger war als die praktische Umsetzbarkeit. Möglicherweise hat man sich dadurch leichteren Zugang zu Fördermitteln erhofft, was sich aber offensichtlich nicht ausgezahlt hat.

Die politische Unterstützung im Gemeinderat war von Anfang an eingeschränkt

Ein maßgeblicher Punkt ist sicher die eingeschränkte politische Unterstützung im Gemeinderat, die seit den OB- und Kommunalwahlen noch geringer geworden ist.

Entsprechend gering war die politische Konfliktbereitschaft in Auseinandersetzungen mit Partikularinteressen (etwa mit denen der Einzelhändler in der Innenstadt während des „Verkehrsversuchs“ oder mit der Hausbesitzer-Lobby nach der Ankündigung der MVV zum Gas-Aus). Aus Angst vor Widerstand gegen jede Form von Push-Maßnahmen (=“grüne Verbotspolitik“), war das Instrumentarium für „indirekte Einflussnahme“ sehr schnell auf sanfte Pull-Maßnahmen, d.h. Beratung oder monetäre Anreize beschränkt, die entweder teuer oder nur sehr begrenzt wirksam sind.

Und entsprechend groß war umgekehrt die Bereitschaft, die Verschärfung der kommunalen Finanzkrise zum Anlass zu nehmen, die Prioritäten zulasten des Klimaschutzes wieder zurückzudrehen (sichtbar etwa an der überproportionalen Kürzung des Klimafonds, dessen weitgehender Umwidmung für Maßnahmen der Klimafolgenanpassung und an der einseitigen Benachteiligung der Radinfrastruktur bei der Kürzung des Budgets für den Stadtraumservice).

Eine neue Strategie wäre notwendig

Falls es im Gemeinderat noch eine Mehrheit für die Umsetzung des KSAP gibt oder in Zukunft geben sollte, bräuchte die vor allem eine neue politische Strategie. Eine kontinuierliche Beteiligung der Öffentlichkeit und mehr Transparenz würden es erleichtern, den Klimaschutz als Projekt der Stadtgesellschaft (vielleicht nicht der gesamten aber zumindest von größeren Teilen davon) zu verankern, und durch politischen Druck innere Widerstände von Lobby-Gruppen zu überwinden und Landes-, Bundes- und EU-Ebene politisch und finanziell mit in die Verantwortung zu nehmen.

Was bleibt von der „ambitionierten“ Klimapolitik übrig?

Geheimhaltung von Emissionsdaten, „Evaluation“ des KSAP und Sparmaßnahmen

Dem Mannheimer Morgen war am 22.04. zu entnehmen, dass die Stadt Mannheim eine seit mehreren Monaten vorliegende Treibhausgasbilanz der Öffentlichkeit vorenthält. Sie soll erst im Juni gemeinsam mit einer „Evaluation“ des Klimaschutzaktionsplans vorgestellt werden. Die ohnehin schon extrem lange Vorlaufzeit (es ist die Bilanz von 2023!) wird damit künstlich um ein weiteres halbes Jahr verlängert. Über die Frage nach dem Grund für die Geheimniskrämerei kann man einstweilen nur spekulieren.

2023 wäre das erste Jahr, in dem man in der Bilanz u.a. auch Auswirkungen des Klimaschutzaktionsplans sehen sollte, mit dem offiziell eine Absenkung der Emissionen vom aktuellen Stand von mehr als 2,5 Mio. Tonnen auf ca. 0,4 Mio. Tonnen CO2 eq (=“Klimaneutralität“) bis 2030 angestrebt wird.

Dieses Ziel war schon seit längerer Zeit nicht mehr wirklich glaubwürdig, weil es die ganze Zeit weder eine gesamthafte konkrete Maßnahmeplanung noch eine transparente Fortschrittsverfolgung gab, und weil die Umsetzung den Ansprüchen nicht gerecht wird. Jetzt droht außerdem das meiste von dem, was gemacht wurde, in der städtischen Finanzkrise dem Rot-stift zum Opfer zu fallen.

Vom kommunalen Klimafonds bleibt in der Haushaltskrise nur noch ein homöopathischer Rest

Für den städtischen Klimafonds war ursprünglich ein Volumen von 10 Mio. Euro p.a. vorgesehen, wovon 5,5 Mio. aus kommunalen Mitteln und 4,5 Mio. aus extern eingeworbenen Fördermitteln kommen sollten. Real wurde diese Summe nie für Klimaschutz ausgegeben, weil sich die erhofften Fördermittel nicht materialisiert haben und weil im Jahr 2024 die angebotenen Förderprogramme nicht ausgeschöpft wurden.

Seit 2025 werden aus dem Budget zusätzlich noch Aufgaben des „Stadtraumservice“ bezahlt. Aufgrund des kommunalen Haushaltsnotstands wurde das Volumen jetzt auf 3 Mio. gekürzt. Von diesen 3 Mio. sollen zudem mehr als Hälfte für Klimafolgenanpassung (Flächenentsiegelung, Begrünung, Waldumbau u.ä. sowie für die Fortsetzung der Neckar-Renaturierung) ausgegeben werden.

Für den eigentlichen Klimaschutz bleiben nur ca. 1,3 Mio. Euro übrig. U. a. werden die Förderprogramme der Klimaschutzagentur halbiert und die Maßnahmen für den Sektor Mobilität ganz gestrichen. Zu dem Gesamtinvestitionsbedarf von 2 bis 5 Milliarden Euro, der von der Stadt für das Erreichen der Klimaneutralität geschätzt wurde, stand schon das ursprüngliche Budget von 10 Mio. in krassem Missverhältnis, auch wenn man mit einer sehr großen „Hebelwirkung“ rechnet. Der jetzige Betrag ist allenfalls noch eine homöopathische Dosis.

Die Wärmeplanung basiert auf unrealistischen Annahmen – die Gebäudesanierung ist im Rückstand

2023 wurde gemäß Landesklimaschutzgesetz eine kommunale Wärmeplanung für die Umstellung der Wärmeversorgung der Gebäude aufgestellt. Diese Planung basiert auf theoretischen Energieeinsparpotenzialen von ca. 50% bis 2040 (der MM berichtete am 21.04. darüber). Um dieses Ziel zu erreichen, müssten bis 2040 alle(!) Häuser in Mannheim energetisch saniert werden. Die realen Sanierungsquoten liegen momentan unter 1% p.a..

Fernwärmeerzeugung 2030 nur noch „kohlefrei“ statt „klimaneutral“ mit zunehmender Abhängigkeit von teurem, fossilem Erdgas

Die Fernwärme sollte gemäß früheren Ankündigungen der MVV bis 2030 „klimaneutral“ werden. Dabei war von Anfang an viel Wärme aus der Verbrennung von Müll und Altholz eingerechnet, die nicht wirklich klimaneutral ist. Laut einer Aussage der MVV im Klimapodcast des MM heißt es jetzt nur noch, dass 2030 keine Fernwärme mehr aus Kohle erzeugt werden soll. Für den Anteil aus Gasverbrennung, der im Übrigen aktuell höher zu sein scheint als geplant (2025 waren es 18% statt 10%), ist offenbar auch über 2030 hinaus fossiles Erdgas vorgesehen. Die beabsichtigte „bilanzielle“ Kompensation durch Einspeisung einer gleich großen Menge an Bio-Methan ins Gasnetz wurde in die 30er Jahre verschoben.

Der Anteil, den die Geothermie liefern soll, wird nach wie vor mit 20% angegeben. Dabei vermehren sich auch da die Fragezeichen, nachdem der zweite potenzielle regionale Geothermie-Betreiber Vulcan Energy bislang noch keine geplanten Bohrstellen bekanntgegeben hat. Soweit die MVV die Fernwärme tatsächlich bis 2030 vom GKM abkoppelt, ist absehbar, dass dann noch mehr von dem jetzt schon teuren und in Zukunft noch teureren fossilen Erdgas verbrannt wird.

Verkehrswende zurück zum Auto

Die Emissionen aus dem Verkehrsbereich sind in den letzten Jahrzehnten kaum zurückgegangen und waren in den letzten Jahren eher wieder im Steigen. Im Klimaschutzaktionsplan und in dem Masterplan Mobilität 2035 werden diverse Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und zur Verlagerung der Mobilität auf ÖPNV, Rad- und Fußverkehr in Aussicht gestellt. Über die sowieso schon geplante, meist sehr langwierige Entwicklung der Infrastruktur (u.a. auch für Radverkehr und ÖPNV) hinaus ist nicht viel erkennbar, was jetzt aus Klimagründen zusätzlich umgesetzt wurde.

Die kommunale Verkehrspolitik ist auch spätestens seit dem Abbruch des Verkehrsversuchs in der Innenstadt von extremer Konfliktscheu gegenüber der Autofahrerlobby geprägt und macht einen großen Bogen um alle potenziell unpopulären „Push“-Maßnahmen. Eigentlich war eine Entprivilegierung des Autoverkehrs geplant, d.h. eine Umverteilung der Verkehrsfläche zugunsten des Umweltverbunds. Übrig geblieben ist davon laut Aussagen von Vertreter*innen der Stadt im Podcast des MM allein die Umsetzung einer landesweiten (d.h. einer durch die Stadt gar nicht veranlassten!) Vorschrift zum Parken auf Gehwegen. Frau Pretzell selbst wollte sich zu diesen Themen nicht äußern, weil sie der schon erwähnten „Evaluation“ des KSAP nicht vorgreifen will.

Im selben Podcast wurde dafür noch der Ausbau der Fahrradinfrastruktur, z. B. der Radschnellwege und der Fahrradstraßen, als besonders verdienstvoll herausgestellt. Inzwischen ist allerdings bekannt, dass das Budget für das Radwegenetz für die Jahre 2026 bis 2028 wegen des Finanznotstands gegenüber dem vorherigen Planungszeitraum von 12 auf 4,6 Mio. Euro (um 61,7%!) gekürzt werden soll. Neue Vorhaben können damit 2026 gar nicht mehr begonnen werden. Gleichzeitig wird demgegenüber das Budget für „Straßen, Wege, Plätze und Verkehrsanlagen“ von 19,4 Mio. auf 23,5 Mio. Euro erhöht. Allein für Sanierung des Autobahnzubringers Wilhelm-Varnholt-Allee sollen nach den bereits investierten 1,4 Mio. noch weitere 3,5 Mio. ausgegeben werden. D.h. hier geht es nicht primär um Sparzwänge, sondern um eine bewusste Prioritätenverlagerung zurück zum Autoverkehr.

Kurskorrektur ist dringend notwendig

Nicht alle dieser Defizite sind der Stadt anzulasten. Ihre gesetzlichen Handlungsmöglichkeiten und ihr Einfluss auf die maßgeblichen Akteure auf anderen politischen Ebenen und in der Wirtschaft sind begrenzt. Die katastrophale Unterfinanzierung der Kommunen ist ein bundesweites Problem.

Unverständlich ist allerdings, warum die Stadt trotz dieser Schwierigkeiten die ganze Zeit den Eindruck erweckt hat, alles im Griff zu haben und klimapolitischer Vorreiter zu sein. Die finanziellen Einschränkungen wurden zwar thematisiert, hauptsächlich im Zusammenhang mit den ausgebliebenen anfangs erwarteten EU-Geldern. Ansonsten wurden aber alle Zweifel am Umsetzungsweg zurückgewiesen. Möglicherweise lag das am gewohnheitsmäßigen politischen Marketing oder an Befürchtungen, Zweifel an den „ambitionierten“ Klimazielen könnten Fördergelder gefährden.

Eine wie auch immer definierte Klimaneutralität der Stadt wird sich bis 2030 sicher nicht mehr herstellen lassen. Wir wissen nicht, was vor diesem Hintergrund bei der Evaluierung des KSAP rauskommen wird. Falls es im Gemeinderat noch eine Mehrheit gibt, die sich der Verantwortung bewusst ist, die die Stadt für ihre eigene Zukunftssicherung hat, sollte die dringend den derzeitigen Kurs in der Klimapolitik korrigieren. Notwendig wäre

  • eine deutlich höhere Priorisierung der Klimapolitik bei der Verteilung der knappen Mittel
  • mehr Bereitschaft zur Überwindung von politischen Widerständen
  • mehr Offenheit zur Zusammenarbeit mit Klimabewegung und Zivilgesellschaft, damit das Erreichen von Klimazielen wieder zum gemeinsamen Projekt der ganzen Stadtgesellschaft wird, was auch die Beeinflussung von Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene erleichtern sollte.

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