Die Klimapolitik der Stadt Mannheim ist völlig unzureichend

Klimaschutzaktionsplan 2030

Ende 2022 hat der Gemeinderat der Stadt Mannheim den Klimaschutzaktionsplan (KSAP) 2030 beschlossen. Der KSAP war zuvor unter Beteiligung der Stadtgesellschaft entwickelt worden und sieht Klimaneutralität bis zum Jahr 2030 vor, was für die Umsetzung als Reduktion der CO2-Emissionen um 83% von 2.551 auf nurmehr 434 Kilotonnen definiert wurde. Dieses Ziel soll in acht Handlungsfeldern mit 81 Maßnahmen erreicht werden.

Allerdings wurde der Plan schon bei der Beschlussfassung im Gemeinderat deutlich geringer priorisiert und unter einen generellen politischen und finanziellen Vorbehalt gestellt.

Die Stadtverwaltung selbst schätzt die Kosten für die Umsetzung des Planes auf zwei bis fünf Mrd. EUR, der Gemeinderat bewilligt anfangs 5,5 Mio. EUR zur Finanzierung. Im Jahr 2024 muss dieser Fonds auch die Kosten des 1000-Bäume Programm zusätzlich stemmen, gleichzeitig gelingt es nicht, den Fonds auszuschöpfen, die Ausgaben betrugen 2024 nur 4 Mio. EUR. Bei der Haushaltskürzung im letzten Jahr wurde der Fonds auf 3 Mio. EUR zusammengestrichen.

Climate View

Mit dem Climate View Tool soll das Monitoring der Zielerreichung gewährleistet werden. Da die Ist-Daten zu den Mannheimer CO2-Emissionen immer erst zwei Jahre später veröffentlicht werden, bräuchte man für die Nachverfolgung jeder KSAP-Maßnahme eigentlich jeweils einen zeitnah verfügbaren „Indikator“ (eine Kennziffer), aus dem man auf Fortschritt und Wirksamkeit der Maßnahme schließen kann.

Allerdings sind in diesem Tool nur wenige Maßnahmen mit solchen Indikatoren zur Zielerreichung versehen. So bewegen wir uns für die meist in einem diffusen Bereich, in dem zwar etwas getan wird, es aber nicht bekannt ist inwieweit die Emissionen gemindert werden oder nicht.

Bei den wenigen konkret mit Indikatoren untermauerten Maßnahmen, wird deutlich, dass die Stadt von der Zielerreichung meilenweit entfernt ist. Die Photovoltaik Offensive lahmt, das Ziel wird nur zu 31% erreicht. Die PKW-Dichte stagniert, statt zu sinken, in 2023 betrug der Anteil der Elektroautos 4% statt 11%, die über 4 Jahr kumulierte Sanierungsrate der privaten Haushalte 4% statt 16% seit 2020.

Es gibt auch positive Beispiele. Allerdings werden beim energieautarken Klärwerk und bei der Netzwerkarbeit mit der Industrie nur sehr wenig Emissionen vermieden

Insgesamt sind die berichteten Ergebnisse aber weit von der Zielerreichung entfernt. So sind auch die Gesamtemissionen seit 2020 auf etwa dem gleichen, hohen Niveau verblieben.

Einschätzung

Für eine Einschätzung ist es hilfreich sich anzusehen, wer alles zum Gelingen eines solchen Plans aktiv beitragen muss. Wenn wir die verschiedenen Akteure wie Industriebetriebe, private Haushalte, Energieversorger, Handel, das Einwirken von Land, Bund und EU, die Stadtgesellschaft insgesamt mit in Betracht ziehen, wird deutlich, dass die Stadt zwar Einwirkungsmöglichkeiten hat, bestimmt aber nicht allein verantwortlich für das Gelingen oder Nichtgelingen der Umsetzung eines solchen Planes ist.

Wenn Industriebbetriebe keine Solaranlagen auf ihre Fabriksgebäude montieren, der Handel über wegfallende Parkplätze jammert, Parktickets bei der Rechnung erstattet, ÖPNV-Tickets aber nicht, der Bund das Klimageld hintertreibt, Gaskraftwerke installieren will, die Überwachung der Sektorziele des Klimaschutzgesetzes aufhebt, die EU viel tönt und wenig tut, die Stadt den Flughafen subventioniert, dann wird es schwierig.

In Anbetracht des großflächigen Nichterreichens der Ziele, nervt die permanente Selbstbeweihräucherung der Stadt, im Klimaschutz führend zu sein, doch etwas. Es kann sein, dass Mannheim im Vergleich mit anderen Städten etwas besser dasteht, mit wirklicher Zielerreichung hat das allerdings nichts zu tun. Die Ziele werden nämlich samt und sonders gerissen. Es reicht eben nicht, gerade mal 3 Mio. EUR im Jahr für Klimaschutz auszugeben. Wer ernsthaft Klimaschutz erreichen will, wird nicht umhinkommen Mittel umzuschichten. Mit ein paar Millionen mehr ist es da nicht getan.

Ergänzender offener Brief der Mannheimer Klimagerechtigkeitsinitiativen an die Stadt Mannheim zum Klimaschutzaktionsplan und zum Klimaneutralitätsziel 2030

Sehr geehrter Herr Specht,

wir – die unterzeichnenden Mannheimer Klimaschutz- und -Gerechtigkeitsinitiativen – haben am 23.11.2023 in einem offenen Brief an die Stadt Mannheim (z. Hd. Frau Bürgermeisterin Pretzell) eine Konkretisierung des Klimaschutzaktionsplans und die kurzfristige Einleitung von Maßnahmen zu dessen Umsetzung angemahnt. Grund dafür war und ist, dass wir bisher nicht erkennen können, wie die Stadt ihr bisher verfolgtes Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden, erreichen will.

Am gleichen Tag hat der Mannheimer Morgen ein mit Ihnen geführtes Interview veröffentlicht, in dem Sie genau dieses 2030er-Ziel in Frage stellen. Dabei weisen Sie im Satz davor noch stolz auf das „Mission Label“ hin, das die Stadt für die Verfolgung dieses Ziels kürzlich von der EU erhalten hat.

Diese Erklärung hat uns sehr erstaunt. Soweit aus den wenigen Sätzen ersichtlich, begründen Sie das mit ungeklärten Finanzierungsfragen. Sie zitieren Ihren Amtsvorgänger Kurz, der „eingeräumt“ habe, dass die Transformation ohne die Unterstützung von Bund und Land nicht funktioniere. Eine wirklich neue Erkenntnis ist das nicht. Im Klimaschutzaktionsplan werden zu jedem Handlungsfeld „Rahmenbedingungen auf EU-, Bundes- und Landesebene“ genannt, zu denen auch „Förderprogramme“ und „Bereitstellung finanzieller Mittel“ gehören. D.h. diese Abhängigkeit war schon bei der Entstehung des KSAP und spätestens bei dessen Verabschiedung vor einem Jahr allen Beteiligten bekannt.

Diese Fördermittel jetzt quasi schon abzuschreiben, weil die Finanzierung des „Klima- und Transformationsfonds“ durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts unsicher geworden ist, wäre sehr voreilig. Für die meisten der aktuell betroffenen Förderprogramme wird es Finanzierungsquellen geben müssen, schon deshalb, weil sonst die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes auf Bundesebene nicht mehr einhaltbar wären. Wenn die Stadt aufgrund dieser temporären Unwägbarkeiten gleich ihr Klimaneutralitätsziel aufgibt oder verschiebt, erweckt das eher den Eindruck, dass dafür nach einem Vorwand gesucht wurde.

Eine derartige Entscheidung darf nicht getroffen werden, bevor es konkrete Umsetzungskonzepte für die KSAP-Maßnahmen gibt, der Bedarf an öffentlichen Mitteln für die Finanzierung genau quantifiziert ist, und bevor die Fördermöglichkeiten durch EU-, Bundes- und Landesmittel abschließend geklärt und ausgereizt sind.

In dieser Woche beginnt die Weltklimakonferenz COP28. Im Vorfeld wurde in diversen Dokumenten wieder aufgezeigt, wie unzureichend die bisherigen Klimaschutzstrategien sind. Gleichzeitig verzeichnet die Meteorologie das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und eine weitere Zunahme von Extremwetterereignissen. Wenn die Erde bewohnbar bleiben soll, muss der Ausstieg aus fossiler Energie deutlich beschleunigt werden. Wenn dieser Prozess jetzt durch die Aufgabe oder Aufweichung von Klimazielen verzögert würde, wäre das politisch ein fatales Signal und ein schlechtes Beispiel für andere.

Wir erwarten, dass Mannheim bei der Transformation die vorab durch das „Mission Label“ honorierte Vorreiterfunktion auch tatsächlich wahrnimmt.

Über eine baldige Stellungnahme dazu würden wir uns freuen. Das gilt natürlich auch nach wie vor für unseren ursprünglichen offenen Brief vom 23.11..

Mit freundlichen Grüßen

Parents & People for Future Mannheim
Fridays for Future Mannheim
Extinction Rebellion Mannheim
Mannheim Zero
Mannheim kohlefrei

Stellungnahme zum Klimaschutzaktionsplan Mannheim

Unsere Stellungnahme zur Mannheim’s Klimaaktionsschutzplan

Kritik an der von der Stadt vorgeschlagenen Vorgehensweise

Eine Zieleorientierung an Reduktionen der CO2 Emissionen zu bestimmten Zeitpunkten (2030, 2035 2040) festzumachen halten wir für nicht ausreichend und sogar irreführend, weil zu keinem Zeitpunkt sichergestellt wird, wieviel von dem zur Verfügung stehenden Restbudget für Mannheim noch zur Verfügung steht. Damit ist die Zielerreichung – Einhaltung der 1,5 Grad Grenze – nicht gesichert.

Eine weitere Ausführende Erklärung finden Sie in unserer PDF. Sie beinhaltet unter anderen wissenschaftlichen Hintergrund zur unserer Stellungnahme:

Die ganze Stellungnahme zum downloaden:
Hintergrund Info „Klimaschutzaktionsplan Mannheim“

Zu lesen auf:
https://www.mannheim-gemeinsam-gestalten.de/dialoge/klimaschutzaktionsplanhttps://www.mannheim-gemeinsam-gestalten.de/dialoge/klimaschutzaktionsplan



Weitere Informationen zu unseren Forderungen und zu den Alternativen finden Sie unter www.mannheim-kohlefrei.de.

Wir bitten alle Medien im Rhein-Neckar-Raum um Veröffentlichung der folgenden Pressemitteilung. Für Nachfragen, Interviews, Einladungen in Redaktionen und/oder lokale Fernsehsender wenden Sie sich bitte an unseren Sprecher (Juli 2021) :       

Andreas Häuser (Armbrustweg 3, 68163 Mannheim)

                     


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